Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

So lasst uns nun, das letzte Lied beginnen!

Gleich singender Schmetterlinge, tanzen wir übers Erdenrund!

Am Anfang steht nicht die Ordnung des Lichtes, sondern das Chaos der Dunkelheit!

Das Wagnis der Herausforderung trägt auch die Furcht des Scheiterns in sich!

Die Erste Übung!

Zum 4. Feuerfest wird der Wind des Schicksals wehen!

Und nun verstummt es, unser letztes Lied, denn das Schallen der Posaunen ist nah!

 

 

So lasst uns nun das letzte Lied beginnen!

 

Kapitel 1

Stumm schwebte das herbstliche Laub zu Boden und begrub langsam das abgelegene Flussufer der Mur unter seinen bunten Farben. Inmitten darin Luzia, welche sich diesem Nachmittag einem sonnigen wenn auch etwas kühlen Spaziergang zum Fluss verschrieben hatte. Verspielt ließ sie nun ihre zarten Finger im Wasser baden. Sanft streichelte der laue Wind über ihr Gesicht, fuhr durch ihr naturgelocktes, blondes Haar, welches zu einem Zopf geflochten war. Sie selbst schwang währenddessen leicht im Takt des Wassers mit. Fast so als wäre sie ein Teil davon, Teil der ewig unsterblichen Natur und schon stiegen dunkle Emotionen in ihr hoch. Zorn, Zweifel, doch auch Fragen erfüllten die junge Frau nun: Wer bin ich? Was ist meine Aufgabe, habe ich überhaupt eine und wieso bin ich so anders? Unwillkürlich verband sich jetzt das graugrüne Wasser des Flusses mit ihr, drängte plötzlich nach zerstörerischer Einheit. Luzia reagierte und legte sofort Geist in die Verbindung, stoppte den Lauf des Gewässers und hielt es gleich eines Staudammes auf. Dann lies sie daraus eine Wassersäule entstehen, welche schnell immer weiter anwuchs, um sie dann plötzlich wieder loszulassen. In lautem Getöse stürzte das Wasser auch sofort auf den Kiesel und die kleinen Steine des fast schon ausgetrockneten Flussbetts zurück und bald war es wieder wie zuvor. Lediglich Luzias Ausdruck hatte sich verändert. „Wer bin ich bloß.“, fragte sie sich mit angestrengtem Gesichtsausdruck neuerlich, während sie nun stumm ihre Hände betrachtete. Aufgewühlt machte sie sich schließlich auf den Weg nach Hause. Der baumbewachsenen Allee an der Mur entlangstreunend entsann sich die junge Frau an die Anfänge ihrer Gabe. Daran, als sie damals als Fünfjährige dieses Bad genommen hatte und sich zum ersten Mal das Wasser mit ihr vereinigte. Sofort hatte sie im Schreck komplett die Kontrolle über sich verloren und war in Panik fast ertrunken. Schon bald verstand Luzia aber ihre außergewöhnliche Fähigkeit zu kontrollieren, damit umzugehen, so ungefähr zumindest. Nur die Tücken und Abgründe des Wassers wurden auch die Tücken und Abgründe ihrer Fähigkeit und es war oft schwierig, damit klarzukommen. Luzia biss sich auf die Lippen. Hilfe oder Anleitung von außen hatte sie nie bekommen. Selbst wenn es ihr Großvater, bei welchem sie seit dem Tod ihrer Eltern aufgewachsen war, immer wieder versucht hatte. Zornig trat sie nun gegen den Kiesel am Weg woraufhin sämtliche Steinchen in alle nur erdenklichen Richtungen davonstoben. Dann bog Luzia in eine weitläufige, von einem kleinen Wäldchen umringte, Lichtung ein und erreichte das gemütliche aus Holz, Lehm und Stroh erbaute Haus ihres Opas. „Hallo Großvater“, warf Luzia in den Raum als sie das schmucke Einfamilienhaus, in welchem auch sie lebte, durch das Vorhaus betrat. „Luzia mein Schatz, schon zurück?“, erwiderte der alte Mann und sah, weiter an seinen Küchenpflanzen herumzupfend, kurz hoch zu seiner Enkelin. Diese begab sich eilig zum rustikalen Tischherd um sich Suppe zu nehmen: „Ja, muss nur kurz was essen“, erklärte sie nachdenklich und kauerte sich anschließend an den maßgefertigten Esstisch vor das große Fenster. „Und danach eine köstliche Tasse Tee“, ergänzte der alte Mann während er jetzt den Platz ihr gegenüber einnahm. Schweigend begann die junge Frau zu essen, fühlte sich nun wieder etwas wohler, vermochte es aber nicht sich gänzlich zu beruhigen, sondern fragte sich stattdessen, ob sie in Wahrheit vielleicht nicht doch ein Dämon oder eine Hexe sei. „Was ist denn los, was bedrückt dich?“, ergriff der alte Mann nun das Wort, fast so als könne er ihre Gedanken lesen. „Ich halte es einfach nicht mehr aus“, brach es plötzlich aus Luzia hervor: „Wer oder was verdammt nochmal bin ich und wozu habe ich diese Gabe?“.  „Luzia“, unterbrach sie ihr Großvater jetzt und fuhr schließlich mit ernster Miene fort: „Ich denke es ist soweit, du bist nun bereit für die Wahrheit“. 

Ruhig und bedächtig setzte ich einen Fuß vor den anderen. Schon seit Logroño unterwegs, befand ich mich jetzt einige Kilometer vor Hontanas, wo mich nun eine grasgrüne Landschaft umgab, welche von einer kleineren Hügelkette durchdrungen war. Der Himmel über mir war blitzblau und einzig besiedelt von einer Herde durchziehender Schäfchenwolken. Erst vor einigen Tagen von Österreich aus aufgebrochen, um den Camino de Santiago zu beschreiten hatte mich ein drängender, ein bedeutsamer Ruf plötzlich in Form eines nächtlichen Traumes zu eben dieser Reise aufgefordert, und zwar einer Bestimmung, einer Berufung wegen, welche mich schon vor Jahren ereilt hatte und nun ihren Tribut forderte. Nicht aber ohne mich zuvor einer Entscheidung gegenüberzustellen. Nämlich der, mein unbedeutendes kleines Leben weiterzuführen wie bisher oder einfach loszuziehen und mein wahres Schicksal zu erfüllen. Während sich meine Schuhe weiter Schritt für Schritt in den staubigen Sand des Caminos gruben wurde mir, umgeben von grasgrünen Wiesen wie Schäfchenwolken, allmählich bewusst, wohl die richtige Wahl getroffen zu haben.

Langsam machte sich das Abendrot breit, tauchte die große Linde am Hügel bereits in die Schatten der Dämmerung. Unter dem Baum Luzia, welche wie verloren um Klarsicht kämpfte. Die Beine angewinkelt mit dem Rücken zum Stamm hatte sie das ziegelgedeckte Haus ihres Großvaters fest im Blick. Jenes Mannes welcher sie großzog und der ihr nun wie ein Fremder erschien. Er hatte es die ganze Zeit gewusst und ihr nichts gesagt. Nervös zupfte sie am kurzen Gras, riss es heraus, schlug ihre Hände vors Gesicht, hoffte zu erwachen und resignierte wieder. „Du gehörst nicht zu unserer Familie …“, erklangen nochmal seine Worte, „… gehörtest du nie. Du wurdest einst als Baby zu meiner Tochter gebracht und nach ihrem Tod zu mir. Nur für einige Jahre wurde mir damals zugesichert, aber so wie es heute aussieht …. werden deine Leute dich nicht mehr holen kommen. Du stehst allein mit deinem Geheimnis da.“ Luzia hatte die Nachricht wie in Trance aufgenommen, lediglich ein: „Was redest du da? Warum erfahre ich erst jetzt davon?“, hervorgestoßen und war sogleich durch die Haustür davongelaufen, um sich auf den nahegelegenen Hügel zu flüchten. Weg von ihrer Suppe, dem Tee und auch dieser Vertrautheit, die sie ansonsten doch immer so wundervoll mit ihrem Großvater verbunden hatte. „Was soll ich jetzt bloß tun?“, sinnierte sie halbleise in die eben anbrechende Dunkelheit der Nacht. Und während bereits der Abendstern vom Firmament funkelte, ein lauer Wind die Gräser wie Blumen am Hügel sanft hin und her wiegte, kam Luzia dann ein fast wahnsinniger Einfall. Ein Einfall welcher sich in Sekundenschnelle zu einem Entschluss verfestigte. Schnell stand sie auf, taumelte ein wenig und schließlich begann sie zu laufen. Immer schneller, immer weiter in ihrem Sinn nur noch einen einzigen Gedanken tragend: „Es muss einfach funktionieren“. Dann plötzlich war sie wieder am Fluss und sprang mit vollem Anlauf über die steile Böschung in die Fluten. Sofort wurde sie von der starken Strömung mitgerissen und unter den schier unendlichen Wassermassen begraben. Schnell öffnete die junge Frau ihr Empfinden, verband sich mit dem Element und suchte dessen Kontrolle, doch verlor über die unfassbare Gewalt der Wasserberge fast das Bewusstsein. Ihr war wieder, als wäre sie neuerlich dieses fünfjährige Mädchen, das noch nichts von seinen Fähigkeiten wusste und erneut in der Badewanne liegend nun um sein Überleben rang. Doch diesmal gab Luzia nicht auf, ein verzweifelter Kampf entbrannte in ihr. Ein Kampf in welchem es ihr gelingen musste die Naturgewalt zu zähmen, so dachte sie, um darüber endlich einer neuen Wahrheit habhaft zu werden. Sich in der wilden Strömung immer wieder nach oben kämpfend verlor Luzia stattdessen aber lediglich an Substanz, an Feststofflichkeit. Ja, immer weiter drang der Geist des Wassers in ihr Herz, ihren Verstand vor, bis die junge Frau ihr Klarbewusstsein dann endgültig verlor und übermannt von einer ihr fremden Kraft begann sich aufzulösen. Bald sollte sich das Wasser jedoch wieder beruhigen. Luzia aber war nun gänzlich zu einem Teil der kühlen Fluten geworden.

Nachdenklich stellte der alte Mann eine Schüssel voller ungeschälter Erdäpfel auf den Tisch. Es wäre an der Zeit fürs Abendessen zu sorgen. Gemächlich schlurfte er durch die geräumige Wohnküche und holte sich noch einen Schäler sowie eine Schüssel für die anfallenden Schalen. Obwohl schon weit über die siebzig fühlte der alte Mann sich noch fit, auch wenn seine athletische Figur schon lange hager und sein volles Haar bereits schütter geworden war. Seufzend ließ er sich schließlich am geräumigen Esstisch nieder und begann mit dem Abschälen der Erdäpfel. Es war still in seinem gemütlichen Heim, welches er einst zusammen mit seiner vor Jahren verstorbenen Frau erbaut hatte. Es lief weder Radio noch ein Fernseher. Hielt er es doch für verwerflich eines dieser Geräte lediglich zur Beschallung laufen zu lassen, wenngleich er sich gerne mal einen der interessanten Beiträge auf Ö1 anhörte, oder den Fernseher zu Klingendes Österreich anstellte. Heute aber war der alte Mann zu sehr in seinen Gedanken vertieft, um sich derartig abzulenken. Flüchtig wanderte sein Blick immer wieder aus dem Fenster in die pechschwarze Nacht. Er machte sich Sorgen um Luzia, darum ob es vielleicht zu früh gewesen war, ihr die Wahrheit sagen. Stumm schälte der alte Mann weiter Erdapfel um Erdapfel, während der Kachelofen behaglich seine Wärme über den Raum verteilte. Luzia war nie ein einfaches Kind gewesen, allen voran ihrer Gabe wegen. Wie gerne hätte er ihr doch geholfen, damit umzugehen, aber er wusste doch selbst nichts darüber, hatte ihr vielmehr eingeschärft diese so gut wie möglich zu verbergen und am besten erst gar nicht zu benutzen. Doch die Gabe drängte all die Jahre nun mal aus ihr heraus, wollte geformt werden. Nur durfte absolut niemand davon erfahren, wollte er ihr ein Leben als Versuchskaninchen, eingesperrt in irgendeinem Labor ja um jeden Preis ersparen. Plötzlich knackte etwas an der Tür: „Luzia?“, rief der alte Mann in die Leere des Raumes, Stille. Hoffentlich fängt sie sich bald wieder und kommt zum Abendessen nachhause, dachte der alte Mann, ehe er aufstand und etwas Holz im Kachelofen nachlegte. Sie wird schon auf sich aufpassen und damit fertig werden, beruhigte er sich weiter, sie braucht bestimmt nur etwas Zeit. „Ich bin doch jetzt nicht weniger ihr Opa als zuvor“, entkam es ihm nun leise flüsternd. Dann setzte er sich wieder an den Esstisch und widmete sich sorgenvoll weiter seinen halb geschälten Erdäpfeln.

Unbekümmerten Schrittes voranschreitend achtete der junge Mann dunklen Haares nicht sonderlich auf den Weg. Er schlenderte vielmehr gemütlich in einer vorländlichen Gegend am Flussufer Richtung der Stadt Graz entlang und genoss die klare Morgenluft, auch wenn die Wolken am Himmel zuzogen und es bald darauf etwas zu nieseln begann. Plötzlich entdeckte Taspus, so sein Name, zwischen den herbstlichen Zweigen am Baumbewachsenen Ufer eine halbnackte Frau, welche an eine der zahlreichen Sandbänke dort gespült worden war. Von diesem Anblick aufgeschreckt stolperte der Reisende durch die Bäume sofort über die steile Böschung runter zum Fluss und zog die Frau nun ganz aus dem Wasser. Sie schien am Leben, erleichtert ließ sich Taspus etwas nach hinten sinken und betrachtete die junge Frau etwas genauer. Nass und schmutzig hing ihr das blonde, lange Haar ins Gesicht und auf einen Schlag erkannte er sie plötzlich. „Das ist doch Luzia Weiss, meine Zielperson.“, durchfuhr es ihn überrascht. „Guten Morgen, kleine Prinzessin“, tätschelte er nun ihr Gesicht. „Aufwachen! Ich will sehen ob es dir gut geht“, sprach er weiter. Plötzlich begannen ihre Augenlider zu flattern und die Frau kam zur Besinnung. „Wo, wo bin ich?“, fragte sie mit dünner Stimme, während Taspus ihr half sich aufzusetzen. „Ich weiß es nicht“, antwortete dieser, nachdem er einen verstohlenen Blick auf ihren Busen riskiert hatte, „Bin nur auf der Durchreise und hier eher zufällig gelandet, verdammter Sturm.“. Jetzt erst bemerkte die völlig durchnässte Frau, dass sie nur noch Unterwäsche trug und kreuzte zitternd vor Kälte die Arme über ihren Oberkörper. „Verzeihung“, entschuldigte sich der junge Mann, „Da nimm“. Mit diesen Worten hatte er sich auch schon seinen schwarzen Ledermantel ausgezogen und ihr angeboten. Dankbar nahm die junge Frau diesen entgegen, zog ihn über und fragte sich, was geschehen war, dann kamen die Erinnerungen zurück. Langsam und allmählich, während ihr Kopf brummte, ihr überhaupt so gut wie alles wehtat. Schmerzerfüllt fasste sie sich an die Stirn. „Was ist geschehen?“, fragte der Wanderer jetzt neugierig. Die Frau schwieg eine Weile, rieb sich das Gesicht und murmelte dann: „Hab nur etwas gebadet“. Vorsichtig reichte ihr der junge Mann die Hand und stellte sich vor: „Taspus“. „Luzia“, antwortete die junge Frau seinen Handschlag erwidernd. „Die ganze Sache hier war nur ein Experiment.“ „Natürlich“, sprach der Fremde beschwichtigend und fragte dann: „Kann ich dir helfen? Soll ich dich nachhause bringen, brauchst du jemanden um zu reden?“. „Mir geht es gut“, behauptete Luzia: „Ich hatte nur etwas Pech.“. Sich einige Strähnen der immer noch klitschnassen Haare aus dem Gesicht streichend stand sie nun auf, blickte Taspus fordernd an und fügte hinzu: „Du musst mir ja nicht glauben“, während all die Verzweiflung und Verwirrung des gestrigen Abends sie allmählich auf ein Neues erfasste. „Was ich hier mache geht dich ohnehin nichts an. Du würdest es sowieso nicht verstehen.“. Beschwichtigend hob der junge Mann die Hände: „Ich wollte dir nicht zu nahe treten. Sag mir einfach nur wie ich dir helfen kann. Da, du kannst einstweilen ein paar Sachen von mir haben.“ Schon kramte er in seinem Rucksack und zog eine alte Hose, ein grünes T-Shirt und einen graubraunen Pulli raus, während nun ein warmer Föhn die beiden umspielte. „Danke“, murmelte Luzia, nahm die Sachen und verkroch sich zum Anziehen in ein naheliegendes Gestrüpp. „Trotzdem würde es mich interessieren was passiert ist“, versuchte Taspus nochmals seine Neugierde zu befriedigen, „Bist du reingefallen? Kann ja schließlich jedem passieren.“ „Was soll daran so schwer zu verstehen sein? Nein bin ich nicht.“, antwortete Luzia, welche mit dem Überziehen der Sachen inzwischen fertig war und nun wieder aus dem Gebüsch hervortrat. „Mein Leben ist halt nicht so einfach wie das des gewöhnlichen Durchschnittes.“, dann drückte sie ihm seinen Ledermantel in die Hand und kletterte die steile Böschung entlang rauf auf den Schotterweg des Murfußweges. „Na gut, dann eben nicht“, erwiderte der junge Mann und machte sich nun ebenfalls daran, wieder rauf auf den Weg zu klettern. Oben angekommen schlug er Luzia vor, erst mal ein gemütliches Café aufzusuchen, wo sich beide etwas aufwärmen und in Ruhe reden könnten. Dieses nach einem kurzen Fußmarsch relativ schnell gefunden, bestellte Luzia dann auch gleich einen Cappuccino und ließ sich zusammen mit ihrer neuen Begleitung an einem der gemütlichen Tische nieder. Wohlriechende Kaffeearomen und abgekühlter Tabakrauch krochen ihr verlockend in die Nase, während sie entspannt in den Ledersessel sank. „Endlich wieder etwas Normalität“, dachte sie und lauschte einem Song im Hintergrund, bis Taspus sie aufforderte: „Erzähl mir doch was von dir!“. „Was willst du wissen?“, fragte sie zurück. „Was hatte es mit deinem Experiment auf sich?“, kam der junge Mann dann gleich zur Sache, während der Kellner mit zwei heiß dampfenden Tassen Cappuccino auftauchte. Wartend, bis dieser serviert und sich wieder einige Meter entfernt hatte, fragte Luzia schließlich zurück: „Du gibst aber auch nicht auf oder?“. „Ist dir oberflächlicher Small Talk denn lieber?“, konterte Taspus sofort und erkannte, dass Luzia sich jetzt etwas zu öffnen begann. Ruhig begann sie zu erzählen: „Erst gestern sagte mir mein Großvater, dass ich nicht die Tochter meiner Eltern bin und schon seit meiner Kindheit plagt mich ein Talent mit welchem ich bis heute nicht umgehen kann. Du kannst mir weder in der einen noch in der anderen Sache helfen. Also was willst du? Was gehen dich meine Angelegenheiten an?“. Der junge Mann ließ sich in seinem Ledersessel nach hinten sinken. „Tut mir leid“, begann er und brachte sich dann wieder in aufrechte Stellung: „Wenn du Lösungen für schwierige Angelegenheiten suchst dann geh doch auf Reisen. Mach dich eine Zeit lang frei und finde neue Perspektiven. Dann werden die Antworten die du suchst von ganz alleine auf dich zukommen. Du musst dich nur ins Getümmel der Welt wagen. Aber erzähl mir lieber, von welchem Talent du eigentlich sprichst.“, endete er schließlich. „Vergiss es“, blockte Luzia sofort wieder ab: „Meine Talente gehen dich nichts an und was deinen Rat betrifft, du bist so naiv. Denkst du wirklich es ist so einfach?“. „Ja, denke ich und ist es“, erwiderte Taspus leidenschaftlich: „Du wirst es erleben und irgendwann Menschen treffen welche dich zu inspirieren und dir zu helfen vermögen, vertraue mir.“. Luzia spielte sich mit ihrem Löffel und fuhr in der inzwischen halb geleerten Cappuccinotasse herum, fast so als wolle sie den Schaum an den Rändern zu einem grandiosen Kunstwerk formen. Nach kurzem Zögern blickte sie ihr Gegenüber dann an und fragte lakonisch: „Du rätst mir also mich auf eine Reise ins Unbekannte zu machen, einfach so? Das ist doch vollkommen verrückt.“, nachdenklich ließ sie ihren Blick nach draußen durch das Fenster gleiten. Neuerlich ergriff Taspus das Wort: „Ich weiß nicht genau was du bisher gemacht hast … aber Reisen bildet. Reisen erweitert deinen Horizont und öffnet dir für vieles die Augen. Reisen kann dir helfen deinen Charakter zu festigen und fremde Kulturen wie Menschen kennenzulernen. Und selbst wenn du keine Antworten findest, so wirst du dich über deine Reise doch wenigstens selbst erfahren und daraus womöglich sogar neu erwachsen. Überlege es dir einfach, was hast du schon zu verlieren?“, endete er sein neuerliches Plädoyer und ließ sich wieder nach hinten in den Couchsessel sinken. Mit starrem Blick den jungen Mann nun fixierend erwiderte Luzia: „Stimmt! Was weißt du denn schon über mich!“, sprach nach einer kurzen Pause dann jedoch etwas einsichtiger weiter: „Aber du hast ja recht, vielleicht ist es momentan wirklich das Beste.“, woraufhin Taspus geheimnisvoll hinzufügte: „Und vielleicht hast du deine Reise in Wahrheit ja auch schon längst begonnen und ich bin nichts weiter als nur deine erste Inspiration.“. Luzia entkam ein kurzes Schmunzeln: „Ja vielleicht, doch ich muss jetzt nach Hause. Mein Großvater macht sich bestimmt schon Sorgen. Wenn du mitkommen möchtest kann ich dir deine Sachen zurückgeben.“, bot Luzia noch an. Sie wollte das Gespräch endlich beenden und allen voran wieder zurück zu ihrem Kleiderschrank, ihren sauberen Klamotten und einem wohltuenden Bad. Aber auch zu ihrem Großvater, und zwar um ihn neuerlich zur Rede zu stellen. Es musste doch etwas geben, was er ihr zu der ganzen Sache noch sagen könnte, hoffte sie zumindest und schon befanden sich die beiden wieder in der leicht verregneten Morgenluft auf dem Uferweg der Mur.

 

 

Gleich singender Schmetterlinge tanzen wir übers Erdenrund!

 

 

Kapitel 2

Das sich rasch annähernde Gewitter färbte den Horizont und das Licht der abgelegenen Schweizer Berglandschaft im Graubündner Kanton bereits in ein sattes Dunkelblau. Nur hie und da vollzogen noch einige verirrte Sonnenstrahlen ihren flüchtigen Tanz. Nachdenklich gruben sich die Augen Kardinal Stefanos durch die Fenster des dort heimischen Klosters, in welchem der Orden der Cruz de Inquisition seinen Dienst versah. Plötzlich durchbrach das grelle Schrillen eines Telefons die Ruhe. „Wie sieht es aus, habt ihr ihn?“, raunte der schlankgebaute Kardinal nun in den Hörer der Kommunikationsanlage seines Schreibtisches. Im selben Moment öffnete sich eine der riesenhaften Flügeltüren des geräumigen Büros und ein groß gewachsener Mann grauen Haars und randloser Brille trat ein. Schnell verschloss dieser den Flügel aber gleich wieder und blieb wie angewurzelt stehen, wollte er das Telefonat seines Vorgesetzten doch keinesfalls stören. Dann legte dieser zufrieden auf und begrüßte den eben eingetretenen Mönch mit erhobenen Armen und den Worten: „Bruder Seraphim, schön Sie zu sehen. Hier diesen Akt könne Sie gleich runter ins Archiv bringen denn wiedermal konnte die Gerechtigkeit unseres Herrn Jesus Christus siegen.“. Schnellen Schrittes war Bruder Seraphim inzwischen an den feudalen Schreibtisch, welcher beinahe inmitten des Raumes stand, herangetreten und nahm den in einer roten Papierhülle gefassten Akt entgegen – nur um dann kurz innezuhalten, fast so als müsse er nun seinen gesamten Mut zusammennehmen. Schließlich sagte er: „Herr Kardinal, ich bin jetzt schon seit über 20 Jahren Ihr Sekretär und habe Sie noch kein einziges Mal enttäuscht, aber denken Sie tatsächlich der Mord an all diesen Menschen ist wahrhaft der Wille Gottes?“. Von dieser Frage kurz irritiert erhob sich der Kardinal in seiner schwarzen Mönchskutte jetzt, trat an seinen Untergebenen heran und legte kurz einen seiner Arme auf dessen Schulter. Dann begann er ihn zu belehren: „Gott hat uns in der heiligen Schrift ganz genau erklärt was er von falschen Propheten und Zauberei hält. All das ist des Teufels und was denkst du sollten wir mit diesen Dämonen denn sonst machen außer sie natürlich in die Hölle zurückschicken?“. Vor dem Mönch nun mit dem großen Silberkreuz, welches um seinen Hals hing, herumfuchtelnd führte der Kardinal seinen Monolog fort: „Und genau das ist auch die Aufgabe unseres in den Anfängen der Kirche gegründeten Spezialordens wie du weißt. Jedes von der Hölle entsandte Individuum mit der Macht die Elemente zu beeinflussen muss aufgehalten und getötet werden. Abgesehen davon, wie stellst du dir den Platz unserer Heiligen römischen Mutter Kirche denn in einer Welt vor in welcher Dämonenmenschen mit ihren Zauberkunststücken die Herzen der Masse verführen? Oh nein mein lieber Seraphim, wir stehen hier in einem Krieg mit dem Teufel und es heißt er oder wir.“. Seinen Sekretär noch einige Augenblicke musternd ließ sich der Kardinal dann wieder hinter seinen Schreibtisch nieder und blickte erneut aus dem Fenster. „Sie sollten ihre Zweifel im Gebet unserem Herrn Jesus Christus anvertrauen, grummelte er noch und signalisierte seinem Mitbruder dann mit einer kurzen Handbewegung zu gehen. „Sehr wohl Herr Kardinal“, antwortete dieser und verließ mit dem Akt in der Hand das Büro. Eiligen Schrittes über den weißen Marmorboden schreitend machte sich Bruder Seraphim aber weiterhin Gedanken, denn er fühlte sich schuldig und mochte die Rechtfertigungen des Kardinals nicht mehr hören. Nur was sollte er tun? Immerhin war Ungehorsam der heilig römischen Mutter Kirche gegenüber ein schweres Vergehen und er immer noch ein getreuer Soldat Christi. Inzwischen hatte es zu regnen begonnen, der Mönch lief gerade einen langen nach außen hin geöffneten Säulengang entlang. Plötzlich begann es heftig zu donnern, ehrfürchtig sah der Mann empor. Womöglich ist dieses ganze Morden ja doch nicht sein Wille, dachte er sich noch, ehe er den Konvent dann durch das schwere Eisentor verließ.

Einsam am Gipfel des Rappoldkogels stehend, lies Luzia ihren Blick übers Tal gleiten, während bereits erste Sonnenstrahlen feuerrot über die Berggipfel loderten. Tief sog sie dabei die frische Morgenluft in sich auf und empfand nun so etwas wie ein völlig neues Lebensgefühl. Hoffnungsvoll und frei war ihr fast, als ob Tonnen von Sorgen, Nöten aber auch Ängste von ihr gewichen und abgefallen wären. Abgefallen in die Tiefen der Hölle während sie selbst in ein neues Leben voller bevorstehender Abenteuer und Freude aufgestiegen war. Nein, sie bereute es keinesfalls Taspus‘ Ratschlag angenommen und doch noch zur Reise ihres Lebens aufgebrochen zu sein. Natürlich nicht ohne davor nochmal mit ihrem Großvater zu sprechen. Dieser hatte ihrem Reisewunsch dann überraschenderweise auch sofort zugestimmt. Er meinte nur, dass das einzig Beständige im Leben nun mal der Wandel sei. Außerdem sei es ja nicht für immer. Wobei sich Luzia aber nicht sicher war ob er diese Worte nun an sie oder doch mehr an sich selbst gerichtet hatte. Fest stand, dass diese Reise nun ihr Schicksal geworden war und wohl immer schon gewesen ist. Nicht umsonst hatte Luzia noch ein besonderes Geschenk, nämlich die Möwe, mit auf den Weg bekommen. Ein Geschenk der mysteriösen Fremden, welche Luzia als Kind einst zu ihrem Großvater gebracht hatten. Genauso wie die Botschaft, dass wäre sie jemals gezwungen ihre eigenen Wege zu beschreiten, die Mächte der Neun Kronen immer mit ihr wären. Was auch immer das bedeuten sollte. Nachdenklich ging die junge Frau nun in die Hocke während sich die hellgleisenden Strahlen der Sonne immer weiter über das Tal und schließlich auch über die rotgoldene Wiese am Kogel schoben. Luzia blickte rüber zur Möwe, welche nichts Geringeres als ein antigravitationsbetriebenes Fluggerät war. Bestehend aus einem Surfbrett mit zwei Flügeln und einem ausklappbaren Lenk wie Sitzaufsatz hatte das Gerät etwas wunderbar Leichtes an sich. Begeistert warf die junge Frau nun einen etwas genaueren Blick darauf. Unter dem sattelähnlichen Sitz war er hochgezogen, gab es genügend Stauraum für den Backpack und auch das ungewöhnliche Design wusste zu bestechen, wobei die Idee dieses Wunderding Möwe zu taufen Luzias Einfall gewesen war. Zaghaft blinzelte sie nun kurz in die Sonne, welche immer weiter an Höhe gewann. Es wäre an der Zeit das Zelt abzubauen, ihre Sachen zu packen und weiterzufliegen. Wohin wusste die junge Frau noch nicht aber ihr Bauchgefühl würde es ihr schon sagen.

Sich an den Fuß einer kleineren Hügelkette schmiegend beherbergten die schmucken Blumenwiesen des verträumten Tales einige Teiche, Felder und einen lustig vor sich hinplätschernden Bach. Gesäumt von einer baumreichen Auenlandschaft zog dieser sich durch das gesamte Gebiet und durchschnitt es gleich eines blausamtenen Bandes. Quer dazu schlängelte sich eine Schotterstraße durch das Naturareal, welche den Bach mittels einer gewöhnlichen Holzbrücke überwand und die wenigen Höfe und Häuser der Menschen, die sich dort niedergelassen hatten, vernetzte. Auf der seichten Anhöhe, welche das Tal an der einen Seite des Baches umgab, wucherten Wälder und wilde Landschaften so wie Gott sie geschaffen hatte, während an der anderen Seite eine Bundesstraße diesen Landstrich über besagter Schotterstraße mit der Zivilisation verband. Genau dort befand sich auch eine Bushaltestation, an welcher gerade ein kleiner Junge aus dem Schülerbus stieg und langsam das kurze, steile Anfangsstück des geschotterten Weges hinab schlenderte. Mit seinen elf Jahren die erste Klasse der Hauptschule eines nahegelegenen Ortes besuchend war die tägliche Schulbusfahrt bereits zur Routine geworden. Doch heute war der Junge namens Korbinian ziemlich geknickt. Mit einer gelben Mütze über seinem braunen Haar, einer roten Jacke und braunen Samthosen bekleidet, kam er sich fast vor wie eine Ampel und versuchte so langsam wie möglich nachhause zu kommen. Aber nicht die Bekleidung war das Problem, sondern der negative Mathematiktest. Schwer lastete dieser in der übergroßen Schultasche auf seinem Rücken, noch schwerer aber in seinem Gemüt, denn der Test musste am nächsten Tag unterschrieben von einem Erziehungsberechtigten an den Klassenvorstand zurückgeben werden und das bedeutete zuhause wieder mal einen großen Haufen Ärger. Trödelnd schlenderte der Junge nun Richtung Brücke vorbei an goldgefärbten Feldern, fast abgeblühten Blumenwiesen und einer alten Holzscheune. Er erinnerte sich früher auf diesem Weg gerne gesungen zu haben, aber das war in der Volksschule. Jetzt fühlte er sich schon zu alt dafür. Immerhin besuchte er ja bereits die fünfte Schulstufe. An der Holzbrücke angelangt nahm er die Schultasche ab, öffnete sie und holte sein Jausenbrot heraus um es auszupacken. Inzwischen verschwand die Sonne allmählich hinter den mächtigen Bäumen der Au und entzog der Brücke schleichend ihren wärmenden Schein. Korbinian begann es ein wenig zu frösteln. Davon jedoch unbeeindruckt warf er nun sein Pausenbrot ins Wasser und sah ihm eine Zeit lang hinterher. „Was für ein grässlicher Aufstrich“, dachte er sich und verstand nicht, warum er einmal die Woche etwas ekelhaft gesundes mit aufs Brot haben musste. Schulterzuckend wandte Korbinian sich ab, nahm seine Tasche und setzte den Nachhauseweg fort, doch bei jedem Schritt schnürte es ihm seine Gedärme ein bisschen enger zusammen – wusste er ja was ihm zuhause blühte, sobald er seinen Eltern den Test offenbarte. „Streng dich mehr an! Du weißt doch wie wichtig Schule ist.“, hörte er sie bereits schimpfen. Ein kurzer Windstoß umfing Korbinian während er nun die Einfahrt seines Elternhauses erreichte und plötzlich einen Polizeiwagen in der Auffahrt stehen sah. Schnell machte sich der Knabe daran ins Haus zu kommen. Drinnen angelangt traf er dann auch schon auf seinen Vater welcher gerade mit einem der beiden Beamten sprach und bei seiner Ankunft sofort verstummte. Es war düster im Flur, niemand hatte das Licht angemacht. Korbinian verstand nicht was los war, bis sein Vater zu ihm auf Augenhöhe ging und mit tränenerstickter Stimme erklärte: „Deine Mutter kam gerade bei einem Autounfall ums Leben …“.

Inzwischen in Leon angekommen, der zweiten der vier Königsstädte auf dem Camino de Santiago, hatte ich es mir vor dem großen Dom in einem kleinen Café gemütlich gemacht. Alles was ich besaß, trug ich in Form eines großen Rucksackes bei mir, hatte ich ja meine Wohnung in Österreich aufgelöst und meinen gesamten Besitz verkauft, um im Verlauf meiner ersten 200 Kilometer als Pilger eindrucksvollen Landschaftsbildern zu begegnen. Neben zahlreichen Wiesen und Hügelgruppen, mystischen Wäldchen oder riesig angelegten Steinkreisen traf ich vor Juan de Ortega ebenso auf baumlose Hochebenen, welche sich gleich sanftmütiger Giganten kilometerlang übers Land rekelten. Mir einen atemberaubenden Blick über gefühlt halb Spanien bietend und von nichts weiter als kurzgewachsenen grünen Wiesen überwuchert, riefen diese Hochebenen mit ihren einsamen Weiten das Gefühl absoluter Freiheit in mir hervor. Ein Gefühl, das sich jedoch mit jenem tiefer existenzieller Angst in einem kräfteraubendem Tanz immer und immer wieder auf ein Neues zu messen hatte und mir wiederholt die Endgültigkeit meiner Reise ins Bewusstsein rief. Denn ich wusste, träfe ich nach all diesen Jahren erneut auf ihr Wort, wäre danach nichts mehr wie davor. Das konnte ich deutlich in mir spüren. Genauso wie das Licht ihrer Gnade welches in meinem Innersten mit jedem Schritt, jedem Kilometer und jedem Tag, an welchem ich ihr näher kam, stärker wurde. Ich lehnte mich etwas zurück, nahm an dem schmiedeeisernen Tischchen auf der winzigen Terrasse des Bistros einen Schluck von meinem Café con leche und ließ meinen Blick nun über den großen steingepflasterten Platz zum Dom schlendern. Vor seinen steil in den Himmel ragenden Mauern wirkten die Massen an Touristen wie geschäftige kleine Ameisen, ich musste kurz lächeln und rief dann den Camarero, um zu bezahlen. Denn während die Sonne frühlingshaft vom blitzblauen Himmel strahlte, wartete am Ende der mittelalterlichen Welt immer noch mein Schicksal auf mich. 

Rasant mit der Möwe über den Erdboden rasend wollte Luzia so wenig Aufmerksamkeit wie möglich erregen. Ihre Routen über abgeschiedene Landschaften und sicherer Flughöhe wählend, versuchte sie, sich so gut es ging zu tarnen. Dennoch brach die junge Frau des manchen aus ihrem Sicherheitsbestreben aus, stieg in luftige Höhen auf und erfreute sich dann an winzig klein gewordenen Landschaften welche verspielt unter ihr vorbeirasten. Dieserart hatte sie in den vergangenen Tagen bereits halb Österreich bereist und war nun wieder zurück in der Steiermark. Auf der Suche nach einem geeigneten Rastplatz fiel ihr dann diese alte Scheune auf, welche im goldenen Herbstlicht stolz aus einem kleinen Kornfeld ragte. Umgeben von einer riesigen sattgrünen Wiese hatte man das Feld bereits seit Wochen abgeerntet, weswegen einzig die gelben Stoppeln der abgeschnittenen Halme zurückgeblieben waren. Luzia flog eine Runde über das Gebiet, verlor langsam an Höhe und bretterte dann knapp an besagter Scheune vorbei, nur um schließlich an einem nahen Bach zu landen. Ihr gefiel das kleine romantische Tal, welches teilweise von Wäldern umringt und von eben diesem Bach samt Auenlandschaft durchschnitten wurde. In der Nähe gab es auch einige Fischteiche und an den Ufern des Baches selbst sehr alte erhabene Bäume. Versteckt zwischen diesen stieg Luzia von ihrem Fluggerät, streckte sich und war froh hier keine Menschenseele zu sehen..